Was meine ich damit eigentlich?
Vielleicht erzähle ich einfach mal, wie es zu diesen Bildern gekommen ist.
Da stand ich vor einer Wasserfläche, auf der sich das Licht auf eine ganz besondere Weise spiegelte. Das hat mich fasziniert und natürlich wollte ich es unbedingt fotografieren.
Doch gleichzeitig dachte ich: Was fotografiere ich da eigentlich? Das zeigt doch gar nichts!
Aber es hat mich angesprochen, genau so, wie es in diesem Augenblick aussah. Einen Meter weiter war davon schon nichts mehr zu sehen. Da war einfach nur trübes Wasser mit einem Ast darin.
Und da habe ich mich gefragt: Warum muss ein Foto eigentlich immer ein erkennbares Motiv haben?
Und da fällt mir schon das Wort „Motivsuche“ ein.
Wenn ich mit meiner Kamera unterwegs bin und nach Motiven suche, wonach suche ich dann eigentlich?
Nach etwas, das ich für ein gutes Fotomotiv halte? Nach etwas, von dem ich schon weiß, dass es ein schönes Bild ergeben könnte? Oder lasse ich mich einfach überraschen von dem, was mich gerade anspricht?
Ich frage mich, wie oft wir etwas wahrnehmen, ohne ihm wirklich Aufmerksamkeit zu schenken. Vielleicht, weil es nicht zu dem passt, wonach wir gerade suchen. Oder weil wir gar nicht auf die Idee kommen, dass man daraus ein Foto machen könnte.
Dabei ist es doch ein Unterschied, ob ich etwas wahrnehme oder ob ich dieser Wahrnehmung auch Aufmerksamkeit schenke.
Was passiert eigentlich, wenn ich so einem kleinen Impuls einfach mal nachgehe? Wenn ich nicht gleich weiterlaufe, sondern genauer hinschaue und ausprobiere, was ich daraus machen möchte?
Allerdings bedeutet spielerisch nicht, dass mir egal ist, was am Ende dabei herauskommt.
Ganz im Gegenteil!
Wenn mich etwas fasziniert, dann möchte ich genau das auch in meinem Bild wiederfinden. Also schaue ich genauer hin, probiere verschiedene Blickwinkel aus, spiele mit Ausschnitt, mit Schärfe und Unschärfe und Belichtung.
Selbstverständlich nutze ich mein ganzes Wissen über Fotografie. Ich möchte ja nicht irgendein Bild machen.
Ich will genau das Bild machen, das dem entspricht, was ich in diesem Moment sehe und empfinde.
Diese fünf Bilder hier zum Beispiel gefallen mir sehr. Sie sind genau so geworden, wie ich sie haben wollte.
Es geht also gar nicht darum, keinen Anspruch an meine Bilder zu haben. Sondern darum, selbst zu entscheiden, was mir an ihnen wichtig ist.
Nicht die Frage: Entspricht mein Bild irgendwelchen Vorstellungen davon, wie ein gutes Foto auszusehen hat?
Sondern: Habe ich das festgehalten, was mich fasziniert hat? So, wie ich es zeigen wollte?
Und das ist ja nicht nur in der Fotografie so.
Wie oft überlegen wir, was andere von uns erwarten? Wie wir etwas machen sollten oder wie wir gerne auf andere wirken möchten?
Wenn ich beim Fotografieren darüber nachdenke, ob mein Bild anderen gefallen wird, verändert das schon meinen Blick. Dann suche ich womöglich nicht mehr nach dem, was mich selbst anspricht, sondern orientiere mich schon daran, was vermutlich gut ankommt.
Und ist das in anderen Lebensbereichen nicht ganz ähnlich?
Dabei finde ich einen Unterschied besonders interessant:
„Wie möchte ich wirken?“ ist doch eine ganz andere Frage als „Was möchte ich eigentlich selbst?“
Bei der einen bin ich mit meinen Gedanken schon bei den anderen. Bei der anderen muss ich erst einmal bei mir selbst hinschauen.
Das heißt ja nicht, dass mir grundsätzlich egal sein muss, was andere denken. Es geht darum, selbst zu entscheiden, wann was dran ist.
Und da frage ich mich: Bemerke ich eigentlich immer, wenn ich mich durch solche Erwartungen selbst einschränke?
Und was ist mit den Erwartungen, die ich an mich selbst habe?
Sind es wirklich meine eigenen?
Und dann gibt es ja auch noch das Bild, das ich von mir selbst habe.
Ich glaube, wir haben alle so unsere Vorstellungen davon, wer wir sind, was wir mögen, was wir können und was zu uns passt.
Aber muss das denn immer so bleiben?
Wir haben doch so viele unterschiedliche Seiten in uns. Vielleicht spricht mich heute etwas an, das ich gestern noch völlig uninteressant fand. Und morgen ist es vielleicht wieder etwas ganz anderes.
Warum sollte ich mich also auf das festlegen, was ich bisher von mir kenne?
Und genau hier kommt das Spielerische ins Spiel. :-) Einfach ausprobieren, neugierig sein und mich auch mal selbst überraschen. Ohne vorher entscheiden zu müssen, ob das überhaupt zu mir passt.
Vielleicht entdecke ich dabei eine Seite an mir, die ich bisher gar nicht kannte. Oder es entsteht etwas Neues, gerade weil ich mir die Freiheit nehme, etwas auszuprobieren.
Wie viel von mir würde ich wohl nie kennenlernen, wenn ich immer nur das täte, was zu meinem bisherigen Bild von mir passt?




